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Warum der Nikolaus Geschenke in die Stiefel steckt

Seit dem Mittelalter beschenkt der Nikolaus, begleitet von Knecht Ruprecht, die Kinder. Doch woher kommt der Brauch eigentlich? Und warum sollten die Schuhe besonders sauber sein? Von Anni Schnabel

Jedes Jahr besucht er die Häuser und versteckt Kleinigkeiten in Kinderschuhen - aber nur, wenn sie schön geputzt sind. Andere Familien stellen einen Teller mit Plätzchen für den Nikolaus und seinen Gefährten bereit. Der Nikolaus ist uns allen bekannt - doch woher kommt seine Geschichte? Was feiern wir am 6. Dezember? Und wer ist eigentlich Knecht Ruprecht?1

Zwei historische Figuren als Grundlage für den Nikolaus

Die Nikolaus-Geschichte geht auf die Figur des heiligen Nikolaus zurück, die schon seit dem 6. Jahrhundert in Legenden auftaucht: Es wird angenommen, dass diese Legenden sich in Wahrheit auf zwei unterschiedliche historische Persönlichkeiten beziehen, die im Laufe der Zeit zu einer fiktiven Figur verschmolzen: Bischof Nikolaus von Myra im kleinasiatischen Lykien und Abt Nikolaus von Sion, der Bischof von Pinora war.

Über Bischof Nikolaus von Myra gibt es nur wenige belegte Tatsachen. Die Kleinstadt Myra, heute Demre genannt, liegt etwa 100 km von Antalya entfernt, in der heutigen Türkei. Überlieferungen zufolge wurde Nikolaus zwischen 270 und 286 in Patara, einer kleinen Stadt in Lykien, geboren. Mit 19 Jahren soll er von seinem Onkel - ebenfalls Nikolaus genannt - zum Priester und zum Bischof von Myra geweiht worden sein. 310 wurde er Überlieferungen zufolge während der Christenverfolgung gefangen genommen und gefoltert.

Der Heilige Nikolaus zeichnete sich durch Großzügigkeit aus

Was jedoch als historisch bestätigt gilt: Nikolaus verteilte sein Vermögen unter den Armen. Vor allem seine Großzügigkeit spiegelt sich in all den Nikolaus Legenden wieder. So unter anderem in der Geschichte von der Mitgiftspende: Ein armer Mann, der seine drei Töchtern aus Geldnot nicht mit einer ausreichenden Mitgift ausstatten konnte, um sie standesgemäß zu verheiraten, beschloss, sie stattdessen als Sklavinnen oder Prostituierte zu verkaufen. Nikolaus, der von der Notlage hörte, soll in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch die Fenster der Töchter geworfen haben. Als der Vater in der dritten Nacht Nikolaus dabei entdeckte, bat dieser ihn bescheiden, niemanden von seiner guten Tat zu erzählen. Durch seine Spende konnten alle drei Frauen glücklich verheiratet werden.

2Seitdem sollen es die Menschen Nikolaus nach getan und den Kindern Geschenke zugeworfen haben. Dabei stellte sich jedoch bald heraus, dass vor allem die älteren Kinder durch ihre Größe über einen Vorteil verfügten und die Geschenke auffingen. So begann man, nach Behältern für die Geschenke zu suchen, um sie darin auch den jüngeren Kindern zu überreichen. Im Mittelalter jedoch gab es kaum Schüssel oder Becher, die nicht im Haushalt gebraucht wurden. So entwickelte sich die Idee, die Schuhe oder Socken der Kinder als Behälter zu nutzen.  Ab sofort wurden diese in der Nacht auf den 6. Dezember vor die Tür gestellt und vom "Nikolaus" befüllt.

Knecht Ruprecht als finsterer Gehilfe des Nikolaus

Dabei stellten die Kinder vermutlich jedoch bald fest, dass saubere Schuhe eher befüllt wurden, als schmutzige. Und begannen, ihre Schuhe zuvor zu säubern. Dieser Brauch hat sich bis heute fortgesetzt.

Beim Verteilen der Geschenke jedoch, ist der heilige Nikolaus nicht allein: Begleitet wird er der Sage nach von seinem Gehilfen Knecht Ruprecht.  Allem Anschein nach handelt es sich bei diesem um das komplette Gegenteil zu Nikolaus. Beschrieben wird er oft als grimmige Figur, gekleidet in eine dunkle Kutte. Am Gürtel trägt er eine Rute oder einen Wanderstock, auf seinem Rücken trägt er einen Sack oder einen Korb, in dem sich kleine Geschenke, Mandarinen, Lebkuchen oder Erdnüsse befinden. Einige Darstellungen zeigen ihn mit zotteligem Haar - manchmal sogar gehörnt. Seinen Ursprung soll Knecht Ruprecht im 16. oder 17. Jahrhundert gehabt haben: Als eine Art Schreckfigur, sollte er die Kinder zu mehr Frömmigkeit erziehen. Oft wurde er als eine Art "gezähmter Teufel" beschrieben, der ungezogene Kinder mit seiner Rute straft, oder in einen Sack steckt.

Wir wünschen Euch einen schönen Nikolaustag!3

Quelle: Augsburger Allgemeine, 06.12.2014





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